Making Of

DETAILGETREU: WIE DIE FESTUNG MAINZ WIEDER SICHTBAR WURDE

2000 Jahre Festungsgeschichte in Mainz - nur wenige Reste dieser Werke sind heute noch erhalten. Einen Eindruck von Größe und Beschaffenheit der Festungsanlagen können sie alle nicht vermitteln. Was hierüber Auskunft gibt sind die historischen Baupläne. Die Informationen dieser Pläne umzusetzen in Bilder ist die Kompetenz des Malers Andre Brauch. Neben seinen künstlerischen Fähigkeiten besitzt er das nötige militärgeschichtliche und bautechnische Wissen, die historischen Pläne zu lesen und zu interpretieren. Arbeiten von Andre Brauch finden sich zum Beispiel in den Festungsstädten Köln, Straßburg, Mutzig, Verdun und Thionville. Das Besondere an seiner Arbeit ist der Anspruch, detailgenaue Rekonstruktionen von Bauwerken aus der jeweiligen Zeit zu schaffen. Ortsbesichtigungen und umfangreiche Recherchen in Archiven stehen am Beginn jedes Bildes. So auch bei Buch zur Festungsgeschichte von Mainz.

Für die Festung Mainz gibt es einen sehr umfangreichen Planbestand insbesondere im Stadtarchiv Mainz, den die Autoren des Buchs intensiv ausgewertet haben. Wenn die entsprechenden Pläne vorhanden und gefunden waren, musste ermittelt werden, welche von diesen für die Bauarbeiten in den jeweiligen Epochen tatsächlich umgesetzt worden waren. Ferner war zu klären, ob sich durch spätere Umbauarbeiten das Aussehen der Bauten verändert hatte. Da es im Festungsbau sehr oft gewisse Gemeinsamkeiten und Standardisierungen gibt, konnten mit der Erfahrung aus 30 Jahren Festungsforschung sehr viele Probleme gelöst werden. Soweit Besonderheiten für die Festung Mainz zu berücksichtigen waren, konnten viele Erkenntnisse aus der Arbeit für das 2013 erschiene Buch »Bollwerk Mainz – Die Selzstellung in Rheinhessen« in die Lösungen einfließen.

Wenn nach Abschluss der Recherche geklärt war, wie das jeweilige Bauwerk ausgesehen hatte oder wie die Höhenlinien des Geländes verliefen, konnte die Arbeit auf der Leinwand beginnen. Für die Ölbilder wurden maßstabsgetreue Arbeitsmodelle hergestellt, die dann als Grundlage für die Proportionen der Motive dienten.

Besonders schwierig waren die Aquarelle mit Motiven aus der römischen Zeit. Hierfür gab es keine Originalpläne und nur ganz wenige Informationen. Die Zusammenarbeit mit den Archäologen Daniel Burger und Daniel Geissler ermöglichte es schließlich, auch für das Römische Mainz mehrere Bauwerke so detailliert darzustellen, wie sie dem derzeitigen Forschungsstand entsprechen.

Insgesamt fertigte Andre Brauch 45 Ölgemälde, Aquarelle und Zeichnungen mit historischen Gebäuden aus Mainz. Alle Bilder zeigen Bau- und Festungswerke in einer bestimmten historischen Epoche, häufig sogar in einem konkreten jahr. Nicht viele Maler vor ihm haben vergleichbare Bilder geschaffen, die einen Zeitraum von 2000 Jahren umfassen.

Ergänzt und eingeordnet werden diese Bilder von Karten, auf denen die Entwicklung der Befestigungen von Mainz über alle Epochen dargestellt ist. Erstmals ermöglichen es die Autoren mit diesem Buch, mit 15 neuen Karten die sich über die Jahrhunderte immer wieder veränderten Festungslinien und deren Auswirkungen auf die Stadtentwicklung nachzuvollziehen.

Nachdem es so gelungen war, bedeutende Bau- und Festungswerke sowie die Befestigungslinien in ihrer Gesamtheit zu rekonstruieren, mussten die Ergebnisse auf das heute Stadtbild übertragen werden. Da die Festung große Flächen in Anspruch genommen hat, war ein vergleichender Blick zwischen damals und heute oft nur mit Luftbildern möglich. Diese stammen fast alle von Alfons Rath, der extra für dieses Projekt neue Luftaufnahmen erstellt hat, die mit dem Blickwinkel der Gemälde übereinstimmen. Auf die Luftbilder sind schließlich die Linien der Bauwerke und der Festung erneut mit der richtigen Perspektive eingezeichnet worden. Damit ist es jetzt möglich, mit einem Blick auf das heutige Mainz die historische Festung wieder neu wahrzunehmen und ihre Bedeutung als historisches Erbe der Stadt zu erkennen.